Monatsspruch

 

Jesus Christus spricht: Es ist vollbracht! 

 Johannes 19, 30 

Dieser Ausspruch Jesu am Kreuz ist vielleicht einer seiner bekanntesten Aussagen überhaupt. Jedenfalls tönen Leute manchmal „Es ist vollbracht“, wenn sie etwas Alltägliches erledigt haben. Jedoch wer dieses Zitat Jesu in seiner Tiefe ernst nimmt, will es vor solch einer Verflachung schützen. Und er pocht auf den eigentlichen Sinn. Doch welches ist der „eigentliche“ Sinn dieses Ausspruchs?

Das Leiden Jesu und sein qualvoller Tod am Kreuz sind die Krönung seiner Mission. Dieses schreckliche Ende seines Lebens ist in Wahrheit dessen Ziel und Bestimmung. Jesu Tod war keine Niederlage, sondern Sieg. Denn er bedeutet die Erlösung für uns Menschen. Gott sei Dank dafür! Wohl dem, der dieses „Es ist vollbracht!“ von Herzen glauben kann!

Amen dazu. So ist es – und das Neue Testament bezeugt es so. Allerdings bleibt von diesem Standpunkt aus eine gewisse Distanz zu dem Gekreuzigten. „Es ist vollbracht!“ bezieht sich so gesehen nur auf seinen Tod – nicht auf meinen. Lediglich sein tragisch beendetes Leben bekommt dadurch Sinn und eine „Mission“ – meines nicht.

Sehr wohl kann man jedoch den Sterbenden am Kreuz noch von einem anderen Standpunkt aus betrachten: Er stirbt in der Blüte seines Lebens. Viel zu früh wird er willkürlich und hinterhältig aus dem Leben gerissen. Sein Lebensfaden und sein Lebenswerk – sie liegen beide abgeschnitten, unfertig da. Doch man staune, wie dieser seines Lebens Beraubte seinen eigenen Tod versteht! Aus tiefstem Herzen besiegelt er sein Ende – und damit sein ganzes Leben – mit „Es ist vollbracht!“. Damit sagt er: „Mein Leben ist nicht beendet, sondern fertig. Es ist vollkommen, so wie es ist. Kein Tag und keine Tat fehlen, damit es rund wird!“

Wie ist es denn mit unserem Leben? Wann darf der Tod kommen, ohne dass er unser Leben unvollendet abschneidet? Wann ist unser Leben „fertig“, vollkommen und rund? Dabei geht es nicht nur um den eigenen Tod. Sondern auch um Ehepartner und andere nahestehende Menschen, deren Tod uns unmittelbar betrifft. Ferner geht es nicht nur um den eigentlichen Tod. Sondern auch um die vielen Tode mitten in unserem Leben. Etwa Lebensabschnitte, die zu Ende gehen. Ziele und Hoffnungen, die wir begraben müssen. Wege, die wir eigentlich gerne weitergehen würden, aber nicht können.

Gefühlt kommt, glaube ich, jeder Tod immer zu früh. Andererseits, selbst wenn wir alle Zeit der Welt hätten - würden unser Leben, unser Wege, unsere Werke jemals vollkommen und rund? Und wer vermochte es zu beurteilen?

Welcher Friede liegt über dem Gekreuzigten und seinem „Es ist vollbracht“! Denn wir dürfen es auch als über unserem Leben gesprochen hören!

Markus Bühler

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